Angestellte

Aktuell sind 38 Prozent der OPK-Mitglieder angestellt tätig (Stand März 2017). In jüngster Zeit ist die Zunahme von Mischformen beruflicher Tätigkeit zu beobachten. Es wird zum Beispiel angestellt oder mit einem halben Praxissitz niedergelassen gearbeitet. Diesen Spagat leisten gegenwärtig 3 Prozent unserer Mitglieder.

 

Psychotherapie in der stationären Versorgung

Das deutsche Gesundheitswesen scheint sich seit zwei bis drei Jahrzehnten auf die Ursprünge europäischer Kultur zu besinnen. Während die Medizin von der Geburtshilfe bis zur Chirurgie immer mehr Leistungen ambulant erbringt und Krankenhausbetten seit den 1970er Jahren um mehr als 50% zurückgegangen sind, wächst die Zahl der Behandlungsplätze in psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken stetig. Bedürfnisse nach umfassender und intensiver Sorge um psycho-somatische Gesundheit sind gewachsen und prägen die Ansprüche an unser modernes Gesundheitswesen.

Mehr Betten in „P-Kliniken“

Stationäre und teilstationäre Behandlungsangebote für Menschen mit psychischen Störungen unterscheiden sich sehr deutlich von ambulanten Behandlungsmöglichkeiten. Parallel werden psychotherapeutische, medizinische und ergänzende Therapien durchgeführt, an denen typischerweise ganze Teams beteiligt sind. Damit sind vor allem bei schwereren Störungen intensivere, aber zeitlich begrenzte Behandlungen möglich.  n ambulanten Therapien dagegen können über wesentlich längere Zeiträume stabile therapeutische Beziehungen aufgebaut und Patienten direkter bei der Bewältigung ihrer alltäglichen Lebensaufgaben unterstützt werden. Insofern ergänzen sich ambulanter und stationärer Sektor, die in Ostdeutschland beide seit der Wiedervereinigung stark ausgebaut wurden.

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Allein in den zurückliegenden zehn Jahren stieg die Zahl der Krankenhausbetten in Psychiatrie/Psychotherapie, Psychosomatik und Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie in Ostdeutschland deutlich an um durchschnittlich 13% auf insgesamt 11.494 (Infografik 1). Besonders stark stieg die Bettenzahl in Thüringen an (um 18%), am wenigsten in Sachsen-Anhalt (6%).

Gerade das Wachstum der Psychosomatik, aber auch das der anderen psychotherapeutischen Fachgebiete deutet auf eine zunehmende Akzeptanz und Nachfrage in der Bevölkerung hin. Der Bedarf nach einer besseren Versorgung von Menschen mit psychischen Störungen wurde von Politik und Krankenhausträgern verstanden und berücksichtigt.

Sicherlich tragen auch wirtschaftliche Faktoren zur Ausweitung des stationären Sektors in den „P-Fächern“ bei. Im Vergleich zu anderen medizinischen Fächern arbeiten diese Kliniken rentabler, zumal Unterschreitungen der Personalverordnungen bisher gesetzlich nicht sanktioniert waren. Klinikträger könnten daher interessiert gewesen sein, „P-Kliniken“ zu vergrößern. Gemäß „Roemers Gesetz“ der Gesundheitspolitik ist ein geplantes Krankenhausbett nahezu sicher auch ein belegtes. Noch stärker verkürzt: Angebot erzeugt Nachfrage. Erfahrungsgemäß gehen Träger von Kliniken bei Betten-Erweiterungen nur ein geringes Risiko ein.


Großer Zuwachs im teilstationären Bereich

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Besonders augenfällig ist das Wachstum an Behandlungsangeboten im teilstationären Bereich (Infografik 2). In nur fünf Jahren von 2011 bis 2016 wuchs die Anzahl der Tagesklinikplätze in Ostdeutschland um 26%, in Mecklenburg-Vorpommern sogar um 50%. Offenkundig besteht bei Patientinnen und Patienten ein großes Interesse an intensiver, täglich mehrstündiger Behandlung und Betreuung, ohne dafür das häusliche Umfeld ganz verlassen zu müssen. Zudem wird noch immer ein Mangel an ambulanten Behandlungsplätzen wahrgenommen. Bei langen Wartezeiten auf Termine bei Psychotherapeuten und Fachärzten erhalten Betroffene in Tageskliniken teilweise rascher eine Behandlung. Zudem dürften sich auch hier wirtschaftliche Anreize auswirken, wenn z. B. teurere vollstationäre Behandlungen vermieden werden können oder Klinikträger mit vergleichsweise geringen Investitionen ihre Behandlungskapazitäten erweitern können.

Sofern mehr Behandlungsangebote zu besserer Versorgung von Menschen mit psychischen Störungen beitragen, sind diese Entwicklungen zu begrüßen. Kritische Betrachtung verdient es, wenn die Personalbemessung an den Kliniken hinter fachlichen Standards zurückbleibt, und damit die Gefahr besteht, dass zwar die Quantität von Behandlungen, nicht aber ihre Qualität erhöht wird.


Zukunftsmodell: Angestellte Psychotherapeuten

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Für eine hohe Behandlungsqualität in Kliniken sind nicht mehr nur gute Mediziner notwendig, sondern auch qualifizierte, approbierte Psychotherapeuten. Deren Zahl wächst besonders in Krankenhäusern momentan stark an (Infografik 3). Die Träger von Krankenhäusern erkennen zunehmend, dass Psychotherapie nicht nur für die leitliniengerechte Behandlung bei psychischen Störungen notwendig ist, sondern auch von vielen Patienten beansprucht und gezielt nachgefragt wird. Allerdings hinken gesetzliche, organisatorische und tarifliche Arbeitsbedingungen für Psychotherapeuten noch immer der Versorgungsrealität hinterher. Für die nächsten Jahre wird es eine Aufgabe der Psychotherapeutenkammern sein, auf eine bessere strukturelle Einbindung von Psychotherapeuten in Krankenhäusern hinzuwirken. Die OPK wird dieses Ziel in den nächsten Jahren intensiv verfolgen und darauf hinarbeiten, dass sich die Qualifikation ihrer angestellten Mitglieder in den Aufgaben- und Verantwortungsprofilen der Kliniken widerspiegelt.